
geb.: 3.3.1928 in Freiburg
Thurnseestr. 20, Freiburg
Karl-Friedrich-Str. 63, Emmendingen
Aus: Emmendingen nach: Paris 18, Frankreich, 11 rue Ravignan
Mutter:
Frieda Bloch, geb. Veit
geb. am 27.8.1892 in Emmendingen
gest. am 20.4.1989 in Vaux-le-Pénil, Frankreich
Vater:
Wilhelm Bloch
geb. am 11.3.1888 in Sulzburg
gest. am 17.8.1968 in Paris, Frankreich
Rudolf Max Bloch
geb. am 28.6.1925 in Freiburg
gest. am 1.1.2021 in Washington D.C., USA
Gertrud Fanny Fröhlich, geb. Bloch
geb. am 4.3.1923 in Freiburg
gest. am 5.7.2013 in Silver Spring, Maryland, USA
Johanna Baum, geb. Goldschmidt
geb. am 10.4.1917 in Freiburg
gest. am 1.12.1964 in New York, USA
Hochzeit am: 2.1951
in: Paris, Frankreich
Marcel Maller
geb. am 28.5.1925 in Paris, Frankreich
gest. am 21.7.2005 in Créteil, Frankreich
D. Maller
geb.: 1951
J. Maller
geb.: 1955
Edith Bloch wurde am 3. März 1928 in Freiburg geboren. Ihre Eltern sind Frieda und Wilhelm Bloch. Edith war die jüngste. Sie hatte drei Geschwister: die 1917 geborene Halbschwester Johanna Goldschmidt, die 1923 geborene Gertrud und den 1925 geborenen Bruder Rudolf. Ihre Mutter Frieda Bloch geborene Veit war in erster Ehe mit Ludwig Goldschmidt verheiratet. Dieser war kurz vor Kriegsende 1918 in Samaden gefallen. Am 24. November 1921 heiratete Frieda Goldschmidt Wilhelm Bloch. Er führte zusammen mit seinem Bruder Hermann die "Max Kölble's Eier-Weinbrand- und Likörfabrik, Bloch, H. & W." in Freiburg. Die sechsköpfige Familie lebte seit 1923 in einer eigenen Villa in der Stadtstraße 43.
1929 erkrankte Rudolf Bloch schwer an einer Hüftgelenksentzündung und wurde viele Jahre in einem Schweizer Sanatorium behandelt. Nachdem die väterliche Likörfabrik 1925 zusammengebrochen war und sich nicht erholte, wurde die Villa 1932 zwangsversteigert. Frieda Bloch zog mit ihren Töchtern in ihr Emmendinger Elternhaus in der Karl-Friedrich-Straße 63, wo die Großeltern Ida und Julius Bloch lebten. Gertrud musste die Schule wechseln. Wilhelm Bloch lebte weitgehend in einem Freiburger Hotel und emigrierte im Spätsommer 1933 nach Paris.
Edith Bloch wurde an Ostern 1934 in Emmendingen eingeschult. Eine Gymnastiklehrerin beschimpfte sie als Judenkind, schlug und schikanierte sie während des Turnunterrichts. Die christlichen Schulkinder warfen Steine nach den jüdischen, die deshalb immer in der Gruppe nach Hause gingen. Spielen auf der Straße war nicht mehr möglich, nur noch im Haus. Eine Zeitlang verbot ihr die Mutter den Schulbesuch. In der Zeit kamen Kinder auf Stelzen ans Fenster und beschimpften die Bloch-Kinder als „Drecksjuden“. Im Juli 1934 mussten Edith und Gertrud in die jüdische Schulabteilung an der Markgrafenschule wechseln. Isaak Hobel unterrichtete jahrgangsübergreifend die jüdischen Kinder in zwei Klassen (1. bis 3. und 4. bis 8.).
Johanna Goldschmidt machte seit 1933 eine Lehre in Freiburg und zog 1935 dorthin. Rudolf Bloch kam am 10. April 1936 aus Leysin nach Emmendingen. Er war so weit gesundheitlich wiederhergestellt, dass er zur Schule gehen konnte und besuchte vermutlich vom 21. Oktober 1936 an die frisch eingerichtete jüdische Schulabteilung an der Lessingschule in Freiburg. Edith Bloch wechselte wahrscheinlich nach der Schließung der jüdischen Schulabteilung Emmendingen an Ostern 1937 an die jüdische Schulabteilung in Freiburg. Gertrud Bloch hatte ihre achtjährige Schulzeit an Ostern 1937 beendet.
Johanna Goldschmidt, die eine Lehre als Schneiderin absolviert hatte, wanderte im Februar 1937 nach New York aus. Am 20. Januar 1938 folgte Frieda Bloch ihrem Mann mit Gertrud, Rudolf und Edith nach Paris. Die Familie lebte im 18. Arrondissement in der Rue Ravignan 11. Weil sie kein Französisch konnte, wurde Edith Bloch in die in Paris in die erste Klasse eingeschult. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs flüchtete die Familie Bloch in die Gegend von Dijon, wo ein Bruder Wilhelm Blochs Viehhändler war. Sie lebten dort einige Monate, kehrten aber in ihre Wohnung nach Paris zurück. Edith Bloch besuchte dort weiter die Volksschule. Die Lehrerin war gut zu ihr. Manche Mitschüler waren nett zu ihr, manche nicht. Auf die höhere Schule konnte sie nicht gehen. Von Juni 1942 an mussten alle Familienmitglieder den „Judenstern“ tragen. Die Rechte der Juden wurden eingeschränkt. Sie durften nur noch zu bestimmten Zeiten einkaufen und mussten in der Untergrundbahn den letzten Wagen benutzen.
Nach den ersten Razzien 1942 floh Wilhelm Bloch mit der 19-jährigen Gertrud nach Lyon in die unbesetzte Zone Frankreichs. Seit Juli 1942 fanden in Paris täglich Massenverhaftungen statt. Juden wurden ins Durchgangslager Drancy gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert. Frieda, Rudolf und Edith Bloch entgingen einer Razzia, weil ein Nachbar sie gewarnt hatte und in seiner Wohnung versteckte. Dort hörten sie, wie an ihre Wohnungstür geklopft wurde. Sie kamen in einem anderen Haus unter. Eines Nachts holte ihre Mutter einige Dinge aus der Wohnung und floh mit Rudolf und Edith nach Lyon.
Das Passieren der Demarkationslinie brachte neue Schrecken mit sich. Ein „Passeur“ (Flucht“helfer“) führte sie in den Wald und verlangte Geld. Frieda Bloch hatte nicht genug. Er verlangte ihr Silber. Frieda Bloch wehrte sich. Da erpresste er sie. Er führe sie nur, wenn sie ihm das Silber gebe. Da händigte Frieda Bloch es ihm aus. Sie mussten einen Fluss überqueren und konnten bei einem Bauern übernachten.
In Lyon trafen sie Wilhelm und Gertrud Bloch wieder. Wilhelm Bloch hatte keine Arbeit. Die Familie war mittellos. Edith und Rudolf Bloch wurden in einer Dachkammer ohne Fenster untergebracht. Am 11. November 1942 wurde Lyon von den Deutschen besetzt.
Frieda Bloch floh mit Rudolf und Gertrud, während Wilhelm und Gertrud Bloch noch in Lyon blieben. Frieda Bloch irrte mit den Kindern von einem Ort zum anderen. Überall war schon jemand untergebracht. Schließlich gingen sie nach Villeneuve-sur-Lot südöstlich von Bordeaux. Eine entfernte Verwandte besorgte ihnen eine Unterkunft bei Bauern zwei Kilometer außerhalb des Orts. Die Bäuerin Henriette Lassort nahm sich der Familie an und versorgte die Familie mit Lebensmitteln. Einige Zeit später kamen Wilhelm und Gertrud Bloch nach. Die jüdischen Flüchtlinge konnten sich nicht anmelden und lebten in der Illegalität. Schulbesuch war nicht möglich.
Die 13-jährige Edith Bloch arbeitete bei einem älteren Ehepaar im Haushalt und durfte abends nicht zu ihrer Familie gehen. Einmal schickten ihre Arbeitgeber sie in die Stadt, um Brot für die Familie zu besorgen. Auf dem Hin- und Rückweg wurde sie von Soldaten kontrolliert. Ein Soldat warf ihr vor, Brot für Partisanen zu besorgen, und wollte sie zu ihrer Unterkunft begleiten. Sie konnte das nur verhindern, indem sie sagte, ihre Eltern würden sie schlagen, wenn sie mit einem jungen Mann käme. Nach diesem Vorfall wollte Edith Bloch nicht bei dem Ehepaar bleiben und kehrte zu den Bauern zurück.
Wilhelm Bloch half auf den Feldern, Frieda Bloch verdiente mit Näharbeiten für die Bauern der Umgebung ein wenig Geld. Die Kinder halfen auf dem Feld. Edith Bloch litt darunter, nicht in die Schule gehen zu können und geistig nicht gefordert zu sein. Die ganze Familie schlief nachts vollständig angezogen, um schnell fliehen zu können.
Als die Deutschen in die Stadt kamen, versteckte Henriette Lassort die Familie. Von August 1942 bis zur Befreiung von Paris am 26. Juli 1944 lebte die Familie Bloch im Untergrund. Sie verbrachte ganze Tage und Nächte in Scheunen auf Feldern. Unter diesen Bedingungen musste die Familie bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen am 26. Juli 1944 ausharren.
Nach der Befreiung kehrte Wilhelm Bloch mit Gertrud und Rudolf nach Paris zurück. Die Wohnung war leergeräumt und neu vermietet. Er musste prozessieren, um die Wohnung zurückzubekommen. Edith Bloch arbeitete in der Zeit in einem Laden in Villeneuve-sur-Lot. Dann lernte sie eine katholische Schwester kennen und lernte im Kloster zu stenografieren und Schreibmaschine zu schreiben. Ihre mangelnden Französischkenntnisse erwiesen sich aber als Handicap. Sie beherrschte die Grammatik nicht gut genug. Im Dezember 1945 emigrierte die 22-jährige Gertrud Bloch in die USA. Ende 1945 kehrten Frieda und Edith Bloch nach Paris zurück.
Edith Bloch konnte sich nicht zur Emigration entschließen, weil die erst 17-Jährige ihre Eltern nicht verlassen wollte. Ihre versäumte Schulbildung konnte sie nicht nachholen. Ein mit ihrem Vater befreundeter Rechtsanwalt stellte sie für einfache Hilfsarbeiten unter seiner Sekretärin an. Später arbeitere Edith Bloch auch in kaufmännischen Betrieben. Wegen einer, wie man heute sagen würde, posttraumatischen Belastungsstörung konnte sie nur unregelmäßig und höchstens halbtags arbeiten. Sie kämpfte permanent mit Ängsten, die damals nicht adäquat behandelt werden konnten.
In einem israelischen Club lernte Edith Bloch 1947 Marcel Maller kennen, der damals Literatur studierte. Er wanderte 1948 nach Israel aus und wollte, dass sie nachkomme. Ihre Mutter war dagegen. Wenn sie auswandern wolle, dann zu den Schwestern in die Vereinigten Staaten. Rudolf Bloch arbeitete damals für die französische Armee in Frankfurt am Main und folgte seinen beiden älteren Schwestern 1949 in die Vereinigten Staaten. 1950 kehrte Marcel Maller zurück. Im Februar 1951 heirateten Edith Bloch und Marcel Maller. 1951 und 1955 kamen ihre beiden Söhne auf die Welt. Die ersten zwölf Jahre nach der Heirat lebte die Familie bei Edith Mallers Eltern. Marcel Maller gab sein Studium auf und arbeitete zuerst als Verkäufer, dann als Vertreter.
1964 starb ihre Schwester Johanna, nun Joan, Baum in New York. 1968 starb ihr Vater in Paris an Kehlkopfkrebs. Edith Mallers älterer Sohn wurde Tierarzt, der jüngere Ingenieur. In den 1970er Jahren arbeitete Edith Maller in einem Ingenieurbüro, litt aber darunter, dass sie ihren Berufswunsch der Rechtsanwältin nicht hatte verwirklichen können: „Ich habe den Eindruck, das Gefühl, daß mein Leben verpfuscht ist, daß etwas anderes aus meinem Leben geworden wäre.“ Ihre Französischkenntnisse hatten sich sehr verbessert, weil sie ihre schlaflosen Nächte mit dem Lesen literarischer Werke verbrachte. So konnte sie im Büro die Korrespondenz erledigen.
Mit ihren Söhnen sprach Edith Maller Französisch, hatte ihnen aber Deutsch beigebracht. Mit ihrer Mutter sprach sie Emmendinger Dialekt. Frieda Bloch starb 1989 mit 96 Jahren in Paris.
Am 21. Juli 2005 starb Marcel Maller mit 80 Jahren in Créteil. 2013 starb Gertrud Fröhlich in Silver Spring, Maryland. Rudolf Bloch starb 2021 in Washington D.C.
Dorothea Scherle
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