Anna Odenheimer, geb. Günzburger


      geb.: 26.11.1889 in Emmendingen

      gest.: 7.3.1978 in Van Nuys, Los Angeles, California, USA


      Wohnorte:

      1889

      Von: 26.11.1889 bis: 1.6.1909

      Romaneistr. 9, Emmendingen

      1909

      Von: 1.6.1909 bis: 9.5.1938

      Hebelstr. 9, Emmendingen

      Emigration:

      1938

      Von: 14.5.1938 bis: 27.5.1938

      Aus: Le Havre, Frankreich nach: New York, USA

      Transportmittel: Schiff SS Georgic

      Emigration mit Tochter Margrit Verwandter im Ursprungsland: Mutter Lina Günzburger, Hebelstr. 9 Emmendingen Verwandter in den USA: Lotte Odenheimer, 865/5 Lucerne Boulevard, Los Angeles Ziel: Los Angeles


       

      Familienzusammenhänge

      Eltern:

      Mutter:

      Lina Günzburger, geb. Haas

      geb. am 7.5.1865 in Emmendingen

      gest. am 29.7.1943 in Los Angeles, California, USA

      Vater:

      Philipp Samuel Günzburger

      geb. am 5.6.1860 in Niederemmendingen

      gest. am 27.2.1916 in Emmendingen

      Geschwister

      Bruder:

      Franz Günzburger

      geb. am 28.5.1888 in Emmendingen

      gest. am 1.9.1956 in Bern, Schweiz

      Schwester:

      Frieda Langer, geb. Günzburger

      geb. am 28.3.1894 in Emmendingen

      gest. am 20.6.1984 in Johannesburg, Südafrika

      Schwester:

      Elise Schultze, geb. Günzburger

      geb. am 4.8.1892 in Emmendingen

      gest. am 16.1.1979 in Kreuth

      Schwester:

      Marta Günzburger, geb. Günzburger

      geb. am 22.1.1891 in Emmendingen

      gest. am 4.2.1952 in Los Angeles, California, USA


      Ehepartner:

      Hochzeit am: 1.6.1909

      in: Emmendingen

      Max Odenheimer

      geb. am 11.10.1877 in Wiesloch

      gest. am 19.6.1935 in Badenweiler

      Kinder

      Tochter:

      Charlotte Hedwig Coleman, geb. Odenheimer

      1910 – 2002

      geb. am 20.2.1910 in Emmendingen

      gest. am 22.8.2002 in Van Nuys, Los Angeles, California, USA

      Sohn:

      Friedrich Odenheimer

      1911 – 2013

      geb. am 9.9.1911 in Freiburg

      gest. am 14.5.2013 in Los Angeles, California, USA

      Tochter:

      Margrit Wertheim, geb. Odenheimer

      1922 – 2017

      geb. am 29.5.1922 in Freiburg

      gest. am 26.3.2017 in San Francisco, California, USA


       

      Biografie

      Anna Günzburger wurde am 26. November 1889 in Emmendingen geboren. Ihre Eltern sind Lina und Philipp Samuel Günzburger. Ihr Vater hatte in Emmendingen eine Sackfabrik inne. Anna war das zweite von fünf Kindern. Franz war Jahrgang 1888, Martha Jahrgang 1891, Elise genannt Liesel Jahrgang 1892 und Friedel Jahrgang 1894. Die Familie lebte in der Romaneistraße 9.

      Familiengründung

      Am 1. Juni 1909 heiratete Anna Günzburger den in Wiesloch geborenen Kaufmann Max Odenheimer, dessen Familie seit 1883 in Emmendingen ansässig war. Max Odenheimer arbeitete in der väterlichen Rohtabakfirma in Emmendingen, die er 1912 übernahm. Das Ehepaar lebte in der Hebelstraße 9. Am 20. Februar 1910 kam Charlotte genannt Lotte in Emmendingen auf die Welt, am 9. September 1911 Friedrich genannt Fritz.

      Im Ersten Weltkrieg kämpfte Max Odenheimer bei der Infanterie an der Westfront.

      Am 29. Mai 1922 wurde Nachzüglerin Margrit geboren.

      Im Februar 1916 starb Philipp Günzburger.

      Ausbildung der Kinder

      Nach dem sogenannten „Einjährigen“ (zehnte Klasse) studierte Lotte Odenheimer in Basel Musik und schloss das Studium als Pianistin mit Diplom ab. Sie arbeitete von 1932 an als Klavierlehrerin, verlor aber 1934 alle nichtjüdischen Schüler. Fritz Odenheimer arbeitete in der Firma seines Vaters. Von Juli 1934 an durften jüdische Kinder in Emmendingen nicht mehr zusammen mit christlichen unterrichtet werden. Margrit Odenheimer besuchte daraufhin ein Internat im schweizerischen Neuenburg (Neufchâtel).

      Am 1. Januar 1932 trat der Kaufmann Josef Fasoli in Max Odenheimers Firma zu 50 Prozent als Teilhaber ein.

      Aufmärsche der SA vor dem Haus

      Das Leben der Odenheimers änderte sich bald nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933, weil sich in der Hebelstraße das Horst-Wessel-Haus befand. Der Internist und Medizinalrat Dr. Pawlowski hatte Anna Odenheimer im September 1957 im Auftrag des Gerichts angehört. Es ging um die Frage, ob zwischen dem nationalsozialistischen Terror und dem frühen Tod Max Odenheimers ein Zusammenhang besteht. Anna Odenheimer beschrieb die Situation. „Die Märsche der SA zogen an ihrem Hause vorüber, oft tags und nachts. An der Haustüre waren oft Aufschriften und Hakenkreuze angebracht. Das habe ihren Mann auf’s Äußerste erregt, z.B. in der Nacht, wenn die SA vorbeizog mit dem Liede, wo es heißt ‚wenn das Judenblut…‘ usw., und das Lied vor ihrem Hause angestimmt wurde. Nach solchen Aufmärschen, insbesondere auch nach dem Lesen der Zeitung habe er häufig Herzanfälle bekommen. Die Anfälle traten besonders auch nachts auf und verhinderten ihn dann am Wiedereinschlafen.“ Max Odenheimer wurde seiner Frau zufolge bleich und klagte über Herzschmerzen. Er machte ihre den Eindruck, als würde er ersticken.  Auf der Straße riefen ihnen Kinder und Erwachsene „Jud, Stinkjud“ und Ähnliches mehr nach. Das Ehepaar Odenheimer ging dann nur noch in die in nächster Nähe gelegene "Anlage" (heute Stadtpark) und setzte sich dort „auf eine etwas heimliche Bank“. Immer wieder sagte Max Odenheimer zu seiner Frau: „Wir müssen von hier fort." Max Odenheimer ließ sich stationär in Freiburg behandeln.

      Kuren und früher Tod des Ehemanns in Badenweiler

      Ende 1933 begleitete Anna Odenheimer ihren Mann zum ersten Mal zu einer Kur in Badenweiler, dann auch 1934 und 1935. Die Anfälle wurden in Badenweiler deutlich besser.

      Am 19. Juni 1935 starb Max Odenheimer mit 57 Jahren in Badenweiler. Am Tag darauf wollte das Ehepaar nach Emmendingen zurückkehren. Die Koffer waren schon gepackt. Anna Odenheimer war am Sterbetag mit anderen Frauen in Basel. Als sie nachts gegen 24 Uhr zurückkehrte, war ihr Mann tot. Eine andere Patientin erzählte ihr, er habe gesagt, er könne es in Deutschland nicht mehr aushalten. „Wenn meine Frau das nur verstehen würde.“

      Am 29. Juni 1936 übernahm Anna Odenheimer als Gesellschafterin die Geschäftsanteile ihres verstorbenen Mannes. Am 4. Januar 1938 wurde die Firma arisiert. Josef Fasoli kaufte sie. Im Grundbuch wurde die Auflösung der Gesellschaft am 16. Februar 1938 eingetragen. Als Liquidator ist Mitgesellschafter Josef Fasoli genannt.

      Emigration

      Im Juni 1937 emigrierten Lotte und Fritz Odenheimer nach Los Angeles. Im Mai 1938 folgte Anna Odenheimer mit ihrer jüngsten Tochter Margrit. Am 14. Mai 1938 reisten sie von Le Havre aus mit der SS Georgic nach New York und reisten von dort weiter zu Lotte Odenheimer nach Los Angeles.

      Hausbau in Hollywood

      Auf ihrem Einbürgerungsantrag vom 14. November 1938 lautet Anna Odenheimers Adresse 626 Arden Boulevard in Los Angeles. Das war die Adresse ihrer Tochter Lotte. Mit dem von ihrem Ehemann hinterlassenen Erbe baute Anna Odenheimer für sich und ihre Familie in Hollywood ein Haus in der 6637 Cahuenga Terrace. Bis zu ihrem Tod wird sie mit Lotte Und später Schwiegersohn Richard Coleman zusammenwohnen. Ihre Mutter Lina Günzburger emigrierte im August 1941 von der Schweiz aus in die Vereinigten Staaten emigrierte und lebte dann auch im Haushalt. Am 29. Juli 1943 starb Lina Günzburger.

      Am 10. Mai 1949 erklärte die Restitutionskammer des Badischen Landgerichts den Kaufvertrag mit Josef Fasoli von 1938 für ungültig. Anna Odenheimer wurde wieder Eigentümerin der Firma und musste für die Jahre seit 1938 entschädigt werden. Außerdem klagte sie erfolgreich auf Auszahlung einer Rente.

      Von September 1976 an wohnte Anna Odenheimer in der 15358 Wyandotte Street in Van Nuys, Los Angeles. Dort starb sie am 7. März 1978 mit 88 Jahren.

      Schicksal der Angehörigen

      Lotte Odenheimer arbeitete in den USA weiter als Klavierlehrerin und heiratete den Gesangslehrer Richard Coleman. Die Ehe blieb kinderlos. Fritz Odenheimer heiratete die Berliner Jüdin Dorothea Frenkel und bekam einen Sohn. Er bildete sich nach seinem Dienst in der Army zum Klaviertechniker aus und konnte sich beruflich erfolgreich etablieren. Margrit Odenheimer erlernte den Beruf der Fotografin und Fotolaborantin und heiratete den aus Berlin stammenden Landschaftsarchitekten Ernst Wertheim. Das Ehepaar bekam zwei Söhne. Alle Geschwister Anna Odenheimers überlebten das Dritte Reich: Ernst Günzburger in den USA und in der Schweiz, Marta Günzburger in Los Angeles, Elise Schultze in Deutschland, weil sie einen Nichtjuden geheiratet hatte, und Frieda Langer in Südafrika.

      Dorothea Scherle  

       

      Photographien

      Portrait von Anna Odenheimer geborene Günzburger aus dem Einbürgerungsantrag (Quelle: Ancestry).
      Lina Günzburger und ihr früh verstorbener Ehemann Philipp Samuel Günzburger, die Eltern von Franz, Anna, Martha, Elise/Liesel und Frieda/Friedel Günzburger (Quelle: Schmitz, Hanneke und Peter, Die Günzburger, Herne 2015).
      Die fünf Günzburger Geschwister (von links): Franz, Marta, Friedel, Liesel, Anna (Quelle: Privatarchiv Carol Lester).
      Familienfoto: Links Lina Günzburger geborene Haas, in der Mitte Anna Odenheimer geborene Günzburger mit ihrer Tochter Lotte (später verheiratete Coleman) und rechts Hedwig Haas geborene Moos. Hedwig Haas ist die Mutter von Lina Günzburger, diese wiederum die Mutter von Anna Odenheimer. Das Foto wurde vermutlich 1910, im Geburtsjahr Lottes, aufgenommen (Quelle: Privatarchiv Micha Odenheimer).
      Anna Odenheimers Grab auf dem Friedhof Hollywood Forever in Los Angeles (Quelle: Find A Grave).

      Dokumente

      Passagierliste aus dem Jahr 1938 mit den Namen von Anna und Margrit Odenheimer. Als Verwandte im Ursprungsland hat Anna Odenheimer ihre Mutter Lina Günzburger in Emmendingen angegeben, als Verwandter in den USA ihre Tochter Lotte Odenheimer in Los Angeles (Quelle: My Heritage).
      Einbürgerungsantrag von Anna Odenheimer (Declaration) (Quelle: Ancestry).
      Einbürgerungsantrag von Anna Odenheimer (Petition) (Quelle: Ancestry).
      Die amerikanische Volkszählung 1940 hat Anna Odenheimer und zwei ihrer drei Kinder erfasst (Quelle: My Heritage).
      Stellungnahme Anna Odenheimers 1957 zum Leben in Emmendingen ab 1933 (1) (Quelle: StaF 196/1 Nr. 11191).
      Stellungnahme Anna Odenheimers 1957 zum Leben in Emmendingen ab 1933 (2) (Quelle: StaF F 196/1 Nr. 11191).
      Brief von Anna Odenheimer vom 13. Januar 1965 an das Landesamt für Wiedergutmachung wegen ihrer Rente (Quelle: StaF F 196/1 Nr. 11191).

       

       

      Archiv & Quellen:

      Gedruckte Quellen / Publikationen

      • Marksitzer, Nelly, Genealogiebericht von Veith Maier aus Odenheim, in: Maajan Band 5, Heft 120 August 2020, Seite 16-77
      • Schmitz, Hanneke und Peter, Die Günzburger, Herne 2015

      Archivalien

      ArchivQuelleSignatur
      Stadtarchiv Emmendingen Standesbücher

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      Stadtarchiv Emmendingen Meldekarte

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      Staatsarchiv Freiburg Kläger: Odenheimer, Anna geb. Günzburger, Hollywood (USA) Beklagte(r): Fasoli, Josef, Emmendingen Gegenstand: Rückerstattung (Gesellschaftsanteil an der Fa. Bernhard Odenheimer OHG, Emmendingen und Hausgrundstück in Emmendingen, Hebelstr. 9)

      F 166/3 Nr. 1526

      Staatsarchiv Freiburg Kläger: Generalstaatsanwalt Freiburg, Dezernat für Restitutionsklagen Mitkläger: Odenheimer, Anna geb.Günzburger, Emmendingen Beklagte(r): Badisches Landesamt für kontrollierte Vermögen in Freiburg Gegenstand: Rückerstattung (Geldforderung gegen Fa. Krämer, Oberschopfheim)

      F 166/3 Nr. 2244

      Staatsarchiv Freiburg Günzburger, Lina geb. Haas (29.07.1943); Gunn, Martha geb. Günzburger (04.02.1952), Erbengemeinschaft, Mitklägerin

      F 166/3 Nr. 6949

      Staatsarchiv Freiburg Odenheimer, Anna, geb. 1889

      F 196/1 Nr. 5495

      Privatarchiv Carol Lester

      –

      Privatarchiv Micha Odenheimer

      –

      My Heritage Ellis Island and Other New York Passenger Lists, 1820-1957

      –

      My Heritage Volkszählung 1940 der Vereinigten Staaten

      –

      My Heritage U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

      –

      My Heritage Todesfälle in Kalifornien, 1940 – 1997

      –

      My Heritage Stammbaum, verwaltet von Alan Baer

      –

      Geni Stammbaum, verwaltet von Nelly Marksitzer

      –

      Ancestry Kalifornien, Bewerbung um Einbürgerung, 1843-1999

      –

      Ancestry Einbürgerungsregister der USA, 1840-1957

      –

      Ancestry Sterbeindex Kalifornien, 1940–1997

      –

      Ancestry USA, Sterbeindex der Sozialversicherung, 1935-2014

      –

      Ancestry Vereinigte Staaten, Bestattungsverzeichnis, 1900-2019

      –

      Find A Grave Anna Odenheimer

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