
Englische Namensvariante: Susan
geb.: 1.7.1932 in Freiburg
gest.: 22.1.2016 in Fort Lauderdale, Florida, USA
Karl-Friedrich-Str. 47, Emmendingen
Karl-Friedrich-Str. 50a, Emmendingen
Aus: Genua nach: New York
Transportmittel: Schiff SS Washington
Emigration der ganzen Familie Weil Leopold und Ottilie genannt "Tilly" mit den beiden Töchtern Suse Irma und Margareth Inge. Verwandter im Ursprungsland: Großmutter Frieda Klaus, Emmendingen Verwandter in den USA: Onkel Bert [Weil], 680 West End Avenue, New York City
Mutter:
Ottilie Tillie Weil, geb. Klaus
geb. am 31.5.1907 in Rülzheim
gest. am 27.1.1990 in Hallandale, Florida, USA
Vater:
Leopold Weil
geb. am 24.12.1897 in Emmendingen
gest. am 17.10.1995 in Hallandale, Florida, USA
Margarete Inge "Peggy" Kabakow, geb. Weil
geb. am 9.4.1934 in Emmendingen
Hochzeit am: 3.1962
in: North Bergen, New Jersey, USA
Ludwig H. Daniel
geb. am 26.1.1928 in unbekannt
gest. am 20.6.2002 in Fort Lauderdale, Florida, USA
Suse Irma Weil wurde am 1. Juli 1932 in einer Freiburger Klinik geboren. Ihre Eltern sind Ottilie genannt Tillie und Leopold Weil. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte Suse Weil in Emmendingen, dem Geburtsort ihres Vaters. Er hatte im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren und leitete in Freiburg die Gauzweigstelle des Reichsbunds der Kriegsbeschädigten. 1933 wurde er entlassen und arbeitete dann für die Klosterbrennerei in Emmendingen. 1934 wurde Margarete geboren.
Ihre eigenen Angaben zu ihrem Schulbesuch enthalten Fehler. Suse Daniel schreibt am 20. Juni 1957 in einer eidesstattlichen Versicherung, sie habe an Ostern 1938 nicht eingeschult werden können, weil jüdischen Kindern der Schulbesuch untersagt war. Das stimmt nicht. Volksschüler durften nur keine öffentliche Schule mehr besuchen. Aber Suse Weil war an Ostern 1938 erst fünf Jahre alt. Schulpflicht bestand für sie von Ostern 1939 an. Die Emmendinger Kinder mussten seit der Schließung der jüdischen Schulabteilung an der Markgrafenschule an Ostern 1937 die jüdische Schulabteilung an der Lessingschule in Freiburg besuchen, und das war bis zur Pogromnacht am 9. November 1938 möglich. Am 17. April 1939 wurde die jüdische Schulabteilung Freiburg im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde am Werthmannplatz wiedereröffnet. Suse Weil muss dort eingeschult worden sein, denn die Siebenjährige wird auf einem Festprogramm des an der Schule am 11. Dezember 1939 gefeierten Chanukkafestes in der Rolle einer Kerze genannt.
In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde Leopold Weil inhaftiert, wegen seiner Kriegsverletzung aber nicht nach Dachau deportiert. Im Gefolge der Pogromnacht entließ die Klosterbrennerei Leopold Weil. Bis zur Auswanderung war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde.
Die Familie Weil reiste am 19. Mai 1940 mit Tillie Weils Mutter Frieda Klaus auf der SS Washington von Genua nach York. „Nach meiner Einwanderung nach USA im Mai 1940 konnte ich erst mit meinem Schulunterricht beginnen und habe ich vom 4. September 1940 bis 27. Juni 1947 die Öffentliche Schule (Public School Nr. 5) in West New York, N.J. und vom 8. September 1947 bis 4. Oktober 1949 die Memorial High School in West New York besucht", schrieb sie weiter in ihrem Lebenslauf. Neben der Schule verdiente Susan Weil mit kleinen Jobs wie Kinderhüten Geld. Aus finanziellen Gründen musste sie den Schulbesuch abbrechen. Sie wollte Lehrerin oder Erzieherin werden. Dafür hätte sie ein College besuchen müssen. „Da meine Eltern jedoch voellig mittellos auswandern mussten und schwer um ihre Existenz zu kaempfen hatten, war die Durchfuehrung dieses Vorhabens unmoeglich geworden.“ Susan Weil musste Geld verdienen. "Bis zu seiner Verfolgung im Jahre 1933 befand sich mein Vater in einer gutbezahlten und gesicherten Existenz als Geschaeftsfuehrer, die es ihm ohne weiteres ermoeglicht haben wuerde, mir eine bessere Ausbildung und ein gesichertes Fortkommen zu gewaehrleisten. Vor allem waeren die Mittel zum Besuch einer Universitaet und dadurch die Voraussetzung zur Erlangung einer besseren Positionen als wie ich sie jetzt als Angestellte einer Handelsfirma habe, vorhanden gewesen."
Im März 1962 heiratete Susan Weil in North Bergen den 1928 geborenen Ludwig Daniel. Die Ehe blieb kinderlos. Ihre Schwester Margaret Kabakow hatte zwei Söhne bekommen.
1990 starb ihre Mutter, 1995 ihr Vater. Beide lebten mittlerweile in Hallandale, Florida. Am 20. Juni 2002 starb Ludwig Daniel in Fort Lauderdale, Florida. Susan Daniel starb am 22. Januar 2016 mit 83 Jahren in Fort Lauderdale.
Dorothea Scherle
Sogenannte "Judenkennkarte" von Suse Irma Weil vom 8. Februar 1939. Ohne Foto, weil sie noch keine zehn Jahre alt war (Quelle: Stadtarchiv Emmendingen).
Dieses Festprogramm für die Chanukka-Feier an der jüdischen Schulabteilung Freiburg am 11. Dezember 1939 beweist, dass Suse diese Schule besucht hat. Die Siebenjährige hatte die Rolle einer Kerze inne (Quelle: United States Holocaus Memorial Museum, Collections).
Passagierliste aus dem Jahr 1940 mit den Namen von Leopold, Ottilie "Tilly", Susanne und Margarete Weil. Als Verwandte im Ursprungsland ist kurioserweise Ottilie Weils Mutter Frieda Klaus in Emmendingen angegeben, obwohl sie mit demselben Schiff nach New York reist. Als Verwandter in den USA wird Leopold Weils Bruder Bert in New York City genannt (Quelle: My Heritage).
Die amerikanische Volkszählung aus dem Jahr 1950 hat die Familie Weil erfasst (Quelle: My Heritage).
| Archiv | Quelle | Signatur |
|---|---|---|
| Stadtarchiv Emmendingen | Meldekarte | – |
| My Heritage | Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939 | – |
| My Heritage | Ellis Island und andere New York Passagierlisten, 1820-1957 Ancestry New Jersey, Heiratsindex, 1901-2016 | – |
| My Heritage | Volkszählung 1950 der Vereinigten Staaten | |
| Ancestry | New Jersey, Heiratsindex, 1901-2016 | – |
| Ancestry | Newspapers.com Todesanzeigenindex, 1800-heute | – |
| United States Holocaus Memorial Museum | Collections | – |