Gertrud Alice Odenheimer, geb. Sternberg


      geb.: 15.11.1896 in Offenbach

      gest.: 4.9.1996 in Los Angeles, California, USA


      Wohnorte:

      1896

      Von: 15.11.1896 bis: 1.11.1920

      Offenbach am Main

      1920

      Von: 1.11.1920 bis: 16.8.1937

      Schlosserstr. 16, Emmendingen

      Emigration:

      1937

      Von: 16.8.1937 bis: unbekannt

      Aus: Emmendingen nach: Zürich, Schweiz

      1939

      Von: 4.1939 bis: unbekannt

      Aus: Zürich, Schweiz nach: Belgien

      1939

      Von: 16.5.1939 bis: 1.7.1939

      Aus: Antwerpen, Belgien nach: Los Angeles, California, USA

      Transportmittel: Schiff SS MS Oakland

      Emigration der ganzen Familie Alfred, Gertrud, Hildegard und Klaus Odenheimer Letzter Wohnort: Zürich Verwandter im Ursprungsland: Neffe (des Ehemannes) Leopold Goldschmidt, Karl-Friedrich-Str. Emmendingen Verwandter in den USA: Schwägerin Anna Odenheimer, Arden Boulevard, Los Angeles


       

      Familienzusammenhänge


      Ehepartner:

      Hochzeit am: 9.2.1921

      in: Emmendingen

      Alfred Odenheimer

      geb. am 19.6.1882 in Emmendingen

      gest. am 2.6.1966 in Los Angeles, USA

      Kinder

      Tochter:

      Hildegard Geller, geb. Odenheimer

      1921 – 2004

      geb. am 27.1.1921 in Freiburg

      gest. am 9.2.2004 in Los Angeles, California, USA

      Sohn:

      Klaus Odenheimer

      1923 – 1987

      geb. am 30.7.1923 in Freiburg

      gest. am 25.1.1987 in Van Nuys, Los Angeles, California, USA


       

      Biografie

      Gertrud Alice Sternberg wurde am 15. November 1896 in Offenbach am Main geboren. Am 9. Februar 1921 heiratete sie in ihrem Geburtsort den Fabrikanten Alfred Odenheimer. 1918 hatte dieser in Emmendingen eine Zigarrenfabrik durch Übernahme von Betriebsteilen der Zigarrenfabrik Max Bloch, an der er beteiligt war, gegründet. Er baute diese Firma zu einem Unternehmen mit vier Filialbetrieben aus. Alfred Odenheimer war geschieden, vermutlich weil die 1911 geschlossene erste Ehe mit Nanni geborene Richheimer kinderlos geblieben war. Das Ehepaar Odenheimer wohnte in der Schlosserstr. 16.

      Familiengründung

      Am 27. November 1921 wurde in einer Freiburger Klinik Hildegard geboren, am 30. Juli 1923 ebenfalls in Freiburg Klaus Ferdinand.

      Hildegard Odenheimer besuchte nach der Volksschule die Realschule in Emmendingen, ihr Bruder Klaus ebenfalls die Volksschule.

      Die Familie Odenheimer in der  Zeit des Nationalsozialismus

      Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten geriet die Familie Odenheimer unter einen zunehmenden Druck durch Aufmärsche der SA vor ihrem Haus sowie durch Mobbing und tätliche Angriffe gegen die Kinder, die zu dieser Zeit die Schule in Emmendingen besuchten. Es kam zu Beschimpfungen wie „Drecksjude“ und aggressiven Sprechchören vor dem Wohnhaus der Familie. Den Schülern wurde verboten, mit jüdischen Mitschülern zu gehen oder zu sprechen.

      Die Familie suchte nach anderen Schulen für ihre Kinder. Die Tochter konnte von Ostern 1935 bis September 1937 auf die ehemalige Hindenburgschule, eine Mädchenoberrealschule, in Freiburg, gehen, wo die Verfolgung etwas weniger zu spüren war, als in Emmendingen. Während der Bahnfahrt nach Freiburg mussten jüdische Schüler und Schülerinnen ein eigenes Abteil getrennt von „arischen“ Schülern benutzen.

      Klaus Odenheimer besuchte nach der Volksschule von 1933 bis 1937 das Realprogymnasium in Emmendingen, wurde dort aber gehänselt, geschlagen und bestohlen, so dass er aus Furcht oft fehlte. Für ihn wurde schließlich für ein Jahr ein Platz in einem Schweizer Internat gefunden. Nach der Einschätzung von Alfred Odenheimer war es in dieser Phase das Ziel der nationalsozialistischen Führung, Juden aus Deutschland zu vertreiben.

      Emigration in Etappen

      Im März 1936 reiste das Ehepaar Odenheimer nach New York, vermutlich um die Emigration vorzubereiten. Das Ehepaar wohnte im Hotel Commodore in New York. Am 8. Juni 1937 musste Alfred Odenheimer seine Firma verfolgungsbedingt verkaufen.

      Im Juli 1937 emigrierte die Familie nach Zürich und galt ab 16. August 1937 in Emmendingen als abgemeldet und ausgereist. Hildegard Odenheimer besuchte in Zürich bis Anfang 1937 die Handelsschule. Klaus Odenheimer war zuerst in einem Internat im Kanton Waadt und besuchte nach dem Versiegen der Geldmittel von 1938 bis 1939 die öffentliche Volksschule in Zürich.

      Am 4. April 1939 konnten die Odenheimers in Zürich ihre Visa für die USA abholen. Am 16. Mai 1939 reiste die vierköpfige Familie mit der MS Oakland von Antwerpen in die Vereinigten Staaten. Am 1. Juli 1939 kam sie in Los Angeles an. Im selben Jahr stellten Alfred Odenheimer und seine Frau einen Einbürgerungsantrag.

      In Los Angeles lebte auch die Witwe von Alfred Odenheimers Bruder Max mit ihren erwachsenen Kindern. Außerdem waren aus Emmendingen Martha Günzburger mit Tochter Lore und die Familie Richheimer nach Los Angeles emigriert.

      Los Angeles

      Die Odenheimers ließen sich in Los Angeles nieder.

      Im Jahre 1937 hatte Alfred Odenheimer in Emmendingen mit seiner Zigarrenfabrik ein ansehnliches Vermögen besessen. Bei seiner Ausreise hatte er über 130 000 RM an Reichsfluchtsteuer und anderen Abgaben zu leisten. Da Devisentransfers ins Ausland praktisch unterbunden wurden und auch weiterer Besitz von Alfred Odenheimer wie Wohnhaus und Sparguthaben zurückgelassen werden mussten, war die Familie bei ihrer Ankunft in die USA praktisch mittellos.

      Alfred Odenheimer blieb bis 1942 ohne Einkommen. Er war zunächst als Arbeiter, dann als kleiner Fabrikant und zuletzt bis 1947 als Telegrammbote tätig. Danach sicherten die Restitutionsgelder die Lebensgrundlage.

      Alfred Odenheimer und nach seinem Tod seine Ehefrau kämpften mit ihrem Anwalt um Entschädigung für die erlittenen materiellen Verluste bis in die 1960er Jahre. Nach einer Auflistung von Gertrud Odenheimer von 1969 betrugen die über mehrere Jahre schrittweise erhaltenen Entschädigungen ca. 74 700 $.

      Hildegard Odenheimer arbeitete als Dienstmädchen, besuchte von 1940 bis 1942 das City College in Los Angeles und studierte anschließend an der University of California. Dort machte sie im August 1943 den Bachelor of Arts und im Juni 1947 den Master of Arts. Anschließend war sie als Bakteriologin tätig.

      Klaus Odenheimer studierte von 1941 bis 1943 Medizin an der University of California. Bis 1946 leistete er seinen Militärdienst als Arzt, zum Teil im Südpazifik. 1952 schloss er sein Medizinstudium ab und wurde 1953 promoviert. Weil er durch die schlimmen Kindheitserfahrungen scheu und ängstlich geworden war, musste er seine Arztpraxis aufgeben und war bei der „Veterans Administration of the USA“ tätig.  

      1950 heiratete Hildegard Odenheimer Bernard Geller und bekam 1952 und 1954 eine Tochter. Klaus Odenheimer heiratete Anfang der 1950er Jahre Bertha Kraus und bekam zwischen 1956 und 1966 vier Kinder.

      Tod

      Alfred Odenheimer starb am 2. August 1966 mit 84 Jahren. Sein jüngstes Enkelkind hatte er noch erlebt. Gertrud Odenheimer starb am 4. September 1996 mit 99 Jahren ebenfalls in Los Angeles.

      Dorothea Scherle / Dieter Wörner

       

      Photographien

      Gertrud Odenheimer.
      Wohnhaus der Familie Odenheimer bis 1937 in der Schlosserstraße 16 in Emmendingen, erstes Haus rechts. (Bild: Dieter Wörner 2016).
      Neujahrsfeier im Hause Odenheimer zum Jahreswechsel 1929/30 mit der nichtjüdischen Hausangestellten Maria Wetzel (Quelle: Stadtarchiv Emmendingen).
      Alfred Odenheimer (Quelle: Ancestry).
      Grab von Alfred und Gertrud Odenheimer auf dem Friedhof Hollywood Forever in Los Angeles (Quelle: Find A Grave).

      Dokumente

      Zeugnis von Gertrud Odenheimer für ihre Hausangestellte Marie Wetzel (Quelle: Stadtarchiv Emmendingen).
      1936 reisten Alfred und Gertrud Odenheimer mit einem Touristenvisum nach New York. Als Verwandten im Ursprungsland hat Alfred Odenheimer seinen Neffen Leopold Goldschmidt in Emmendingen angegeben, als Verwandte in den USA seine Schwägerin Anna Odenheimer in Los Angeles (Quelle: My Heritage).
      Passagierliste aus dem Jahr 1939 mit den Namen von Alfred, Gertrud, Hildegard und Klaus Odenheimer (2) (Quelle: Ancestry).
      Einbürgerungsantrag von Gertrud Odenheimer (Declaration) (Quelle: Ancestry).
      Einbürgerungsantrag von Gertrud Odenheimer (Petition) (Quelle: Ancestry).
      Die amerikanische Volkszählung 1940 hat die Familie Odenheimer erfasst (Quelle: My Heritage).
      Einbürgerungsnachweis von Gertrud Odenheimer (Quelle: Ancestry).

       

       

      Archiv & Quellen:

      Gedruckte Quellen / Publikationen

      • Marksitzer, Nelly, Genealogiebericht von Veith Maier aus Odenheim, in: Maajan Band 5, Heft 120 August 2020, Seite 16-77

      Archivalien

      ArchivQuelleSignatur
      Stadtarchiv Emmendingen Meldekarte

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      Staatsarchiv Freiburg Kläger: Odenheimer, Alfred, Los Angeles (USA) Mitkläger: Odenheimer, Gertrude geb. Sternberg, Los Angeles (USA) Beklagte(r): Bundesrepublik Deutschland, Oberfinanzdirektion Freiburg Gegenstand: Rückerstattung (Schadenersatz für entzogene Vermögenswerte, hier u.a.: Bankguthaben, Wertpapiere)

      F 166/3 Nr. 2885

      Geni Stammbaum, verwaltet von Nelly Marksitzer

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      My Heritage Deutschland, Hessisches Geburtsregister, 1874-1911

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      My Heritage Ellis Island und andere New York Passagierlisten, 1820-1957

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      My Heritage Volkszählung 1940 der Vereinigten Staaten

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      My Heritage Todesfälle in Kalifornien, 1940 – 1997

      –

      My Heritage U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

      –

      My Heritage Stammbaum, verwaltet von Enkelin Corinne Geller

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      Ancestry Kalifornien, Bewerbung um Einbürgerung, 1843-1999

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      Ancestry Einbürgerungsregister der USA, 1840-1957

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      Ancestry Ausgewählte Indizes der Einbürgerungsregister der USA, 1791-1992

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      Ancestry USA, Sozialversicherungsindex, 1936-2007

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      Find A Grave Gertrud und Alfred Odenheimer Grab

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